Um mit der Drohne unterwegs zu sein, braucht man nicht nur ein möglichst sicheres Fluggerät, sondern angesichts von viel Blödsinn, der damit inzwischen getrieben wird, auch ein paar andere Dinge. Sonst wird es vielleicht auf die eine oder andere Weise doch noch teuer. Wenn ihr interessiert seid, könnt ihr euch inzwischen bei ganz vielen seriösen Seiten z.B. über den Kauf informieren, oder eine Versicherung aussuchen. Will ich nicht alles wiederholen, kann ich wahrscheinlich auch nicht mal halbwegs aktuell halten. Hier also nur ein paar subjektive Tipps zum Drohnenflug.
Drohne kaufen
Nehmt ein Modell, das nicht gerade in der allerbilligsten Preisklasse irgendwo auf dem Grabbeltisch sitzt, es sei denn die ist wirklich nur als Spielzeug gedacht.
Ohne GPS gibt es z.B. keine "fly home"-Funktion. Diese Funktion sorgt dafür, dass die Drohne bei Verlust des Fernsteuer-Signals automatisch zum Startpunkt fliegen kann. Manche Modelle können auch automatisch den Rückflug starten, wenn der Akkustand nur noch für den Rückflug reichen würde.
Eine billige Kamera in einer billigen Drohne wird euch ärgern. Sie wird kein 4K können und wenn ja, vielleicht nur interpoliert. Sie wird vielleicht nur in einer Richtung stabilisiert sein, wenn überhaupt (Videos kann man dann echt nicht ansehen, eine elende Schaukelei).
Die Steuerung ist mit billigen Potentiometern ausgestattet und vielleicht habt ihr nicht einmal eine Verbindung zum Smartphone, also kein Live-Bild "von oben". Ärgerlich, wenn man die winzige Drohne weder sieht noch hört, nicht weiß in welche Richtung sie gerade gedreht ist, und trotzdem zurückfliegen möchte. Unterschätzt das nicht: bei einer Drohne in 100 Metern Abstand seht ihr erstmal nicht, ob sie wegfliegt oder auf euch zukommt.
Die Reichweiten von Spielzeugdrohnen sind arg schlecht, manchmal deutlich unter 100 Metern. Ebenso halten die Akkus vielleicht nur 8 bis 10 Minuten durch, das verdirbt den Spaß auch ein wenig.
Laden muss man die Dinger völlig manuell. Schnell verschätzt man sich und crasht sie unsanft auf den Boden.
Billigdinger haben keine Sensoren, die Hindernisse erkennen können. Die Folge: weniger Sicherheit, wenn man doch mal zu nahe an den Baum oder das Haus fliegt.
Und schließlich sollte man auch an Nachhaltigkeit denken. Es ist nicht nur ärgerlich, wenn man ein Fluggerät wegwerfen muss, nur weil der Akku kaputt ist oder es keinen Ersatz für einen kaputten Motor mehr gibt, sondern auch alles andere als nachhaltig. Von den Kosten natürlich mal abgesehen ...
Falls es was Gebrauchtes sein darf, informiert euch bitte über das Modell. Und achtet auf das Gewicht! Es gibt verschiedene Drohnenklasse, für die unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen gelten.
👉 Wir hatten früher™ eine DJI Phantom 2, und haben jetzt eine DJI Mini 3 mit drei Akkus. Sie hat eine extra Fernbedienung, und das ist super weil das Smartphone dann frei bleibt. Die technischen Daten schreibe ich jetzt nicht auch nochmal auf, das steht schon tausendfach im Netz. Zusätzlich haben wir "DJI Care" abgeschlossen, dazu schreibe ich weiter unten noch was.
Drohne anmelden
Ich gehe hier mal nur davon aus, ihr hättet eine Drohne der Klasse C0 und sie wiegt nicht mehr als 249 Gramm (das ist die magische Grenze). Im Prinzip kann man sie führerscheinfrei fliegen und betreiben. Ich empfehle trotzdem das Absolvieren der Prüfung und den Erwerb der entsprechenden Lizenz.
Jetzt registriert man sich als Betreiber eines Luftfahrzeugs. Das macht man beim Luftfahrt-Bundesamt (Link: https://uas-registration.lba-openuav.de/#). Man richtet sich ein Benutzerkonto ein, registriert sich und bekommt dann eine UAS-Betreiber-Nummer (eID). Das kostet 20 Euro (einmalig). Das LBA hat mir auch nach drei Jahren immer noch keinen Gebührenbescheid geschickt, aber trotzdem gilt natürlich die Registrierung.
Diese eID bringt man auf der Drohne an. Ich habe mir einen Streifen mit einem Beschriftungsgerät gedruckt. Wischt die Fläche mit Alkohol ab, damit der Aufkleber wirklich hält. Achtet darauf, von der eID die letzten Stellen wegzulassen, es wird euch im Portal auch so beschrieben.
Hinterlegt im Portal einen Identitätsnachweis und eine Versicherungsbestätigung /Versicherungsdaten.
Die Versicherung könnt ihr bei vielen Gesellschaften kaufen. Ich bin Mitglied im Deutschen Modellflug-Verband (DMFV), und im Mitgliedsbeitrag ist eine Haftpflichtversicherung mit drin. Die Versicherung ist für die Drohne zwingend vorgeschrieben!
Du bekommst eine Versicherungsbestätigung, die du beim Flug dabei haben musst. Bei mir ist das jährlich eine Karte, bei anderen Gesellschaften vielleicht ein Schreiben.
Drohne fliegen
Regen, Dunkelheit, Schnee, viel Wind - lasst es bleiben. Kinder wollen auch mal? Nein, eher nicht. Der besoffene Onkel auf der Familienfeier: nope.
Als Anfänger oder wenn ihr lange nicht geflogen seid: üben. Fliegt mal eine Stunde ein paar Akkus leer, macht euch wieder mit den Steuerknüppeln vertraut. Es sieht im Video einfach doof aus, wenn die Kamera jedesmal erst in die falsche Richtung dreht 😀
Es gibt auf Youtube ein paar gut gemachte Videos zum Anfänger-Flugtraining, schaut euch das einfach mal an. Und, wenn möglich, auch ein Video in dem genau eure Drohne geflogen wird.
Fliegt erstmal ohne Zuschauer. Glaubt mir, das Gesabbel und "lass mich mal" nervt euch zu Anfang.😀
Du kannst über deinem privaten Grundstück fliegen (wenn du nicht in einer Flugverbotszone wohnst!). Achte auf die Rechte zum Beispiel von deinen Mietern, denen du nicht in die Bude gucken darfst. Du darfst zum Nachbarn rüber nur, wenn er das gestattet (du kannst ihm anbieten, einmal in die Dachrinnen zu gucken, dann braucht er nicht die Leiter rausholen).
Hinweis:Info zum Wetter an eurer Position findet ihr live und inklusive Windrichtung /Windstärke z.B. innerhalb der Droniq Trax-App!
Einschränkungen beachten
Du kannst über den meisten unbebauten Grundstücken fliegen, aber es gibt in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland sehr viele Einschränkungen.
Droniq Trax
Mache dich über Einschränkungen selber schlau - entweder legst du die "Fernpiloten-Prüfung" ab oder, wenn nicht benötigt, liest du das bei einem aktuellen und seriösen Portal nach. Ich kann das weder vollständig noch aktuell hier aufschreiben, hier nur ein paar Stichworte:
Sicherheitskritische und nicht kritische Infrastruktur wie aktive Militärstützpunkte, Energieversorgung, Schifffahrtsstraßen, Bundesstraßen und Autobahnen, Eisenbahnlinien, Stromtrassen, Windkraftanlagen, Industriebetriebe, Häfen, Flughäfen ... hier gibt es jede Menge Abstandsregeln. Ohne Genehmigung = kein Flug. Viele Drohnen können Sperrgebiete erkennen, sie starten nicht oder fliegen nicht rein.
Naturschutzgebiete, Wohngebiete, ... ohne Genehmigung = kein Flug.
Du möchtest deiner Schwiegermutter ein Luftbild von ihrem Haus schenken? Kannst du machen ... wohnt sie dicht an einem Krankenhaus, so wird es verboten sein. Man kann von der "verantwortlichen Stelle" eine Ausnahmegenehmigung bekommen.
Über 100 Meter = tabu (die meisten Drohnen warnen inzwischen, wenn du zu hoch kommst, oder halten den Steigflug an).
Ich habe für solche Fragen zwei Tools:
am heimischen Rechner verwende ich das Dipul Map-Tool (https://maptool-dipul.dfs.de/). Schaut euch die Karte an, macht euch mit der Bedienung vertraut. Orientierung ist mit dem ungewöhnlichen Kartenbild nur auf den ersten Blick schwierig.
Unterwegs nehme ich die Droniq Trax App (aus dem Play Store zu beziehen, kostenlos). Einmal einstellen, mit welcher Drohne ich unterwegs bin (Klasse C0), und dann zeigt die Karte alle Gebiete an, in denen nur eingeschränkter Flugbetrieb erlaubt ist. Tippe auf den Bildschirm, und du bekommst Informationen nicht nur darüber, wo du nur eingeschränkt fliegen darfst, sondern auch, warum:
Wenn mal "was ist"
Einen Drittschaden reguliert deine Versicherung. Achte auf die Versicherungsbestimmungen. Wahrscheinlich musst du ebenso sorgfältig sein wie als Versicherungsnehmer einer PKW-Haftpflicht, also z.B. keine Unfallflucht, sich als Beteiligter zu erkennen geben usw.
Einen Eigenschaden regelt die Versicherung nicht. Wir haben "DJI Care" abgeschlossen, in der Laufzeit dieser Versicherung bekommt man eine neue Drohne, wenn die eigene versicherte und registrierte unkontrolliert abstürzt, oder auf Nimmerwiedersehen wegfliegt. Es ist eine Gebühr von 50 € zu zahlen, und wenige Tage nach Anmeldung des Schadens (und Rücksendung der alten Drohne, wenn möglich) bekommt man ein Austauschgerät. Das musste ich leider einmal in Anspruch nehmen, die Drohne war im Wald unterwegs und folgte einem Bachlauf. Für mich sehr überraschend kam die Akkuwarnung (sie hatte noch für ~8 Minuten "Saft" und war nur 100 Meter entfernt, daher die Überraschung). Da war ich nicht vorbereitet, um die "fly home"-Funktion abzubrechen. Wie eingestellt wollte sie dann auf 70 Meter Höhe und von dort zum Startpunkt. Der Aufstieg unter Bäumen und über dem Bach endete in einem Tauchversuch (Spoiler: schlug fehl, Totalschaden). DJI tauschte sie ohne großes Rumgezicke aus (ich konnte sie bergen), so wie versprochen.
Praktische Flugtipps:
Vor dem Flug den Akku laden. Wir haben drei Akkus und laden die am Abend vor dem Flug auf. Achtung, denn bei DJI werden die Akkus nach bummelig zwei Wochen künstlich auf die Hälfte oder so entladen, damit sie länger halten. Also geladen länger aufbewahren: ist sinnlos.
Nach dem Einschalten der Drohne abwarten, bis sie ein GPS-Signal gefunden hat. Sonst stimmt die Startposition nicht. Es dürfte bei jeder Drohne dafür eine Meldung geben.
Startet nicht auf losem Sand oder aus nassem Gras. Die Motoren sind nicht gekapselt. Ich nehme zur Not die Motorhaube vom Auto. Start- und Landeplatz sollten sehr eben sein, damit die Drohne nicht kippt. Und langes Gras oder ein Zweig stoppt die kleinen Rotoren viel zu unsanft.
Schaut euch vor dem Start in der App und in der Gegend um.
Oben kann mehr Wind sein als bei euch am Boden. Guckt euch Baumwipfel an. Die kleine Drohne kann nur begrenzt Wind vertragen.
Verzichtet auf den Flug, wenn renitente Leute vorbeikommen und mit euch lauthals streiten wollen. Auch dann, wenn ihr gerade dort fliegen dürft. Zum einen spielen diese Idioten "Taubenschach", zum anderen müsst ihr euch auf den Flug konzentrieren. Wartet lieber, bis die Spinner weg sind.
Die DJI Mini 3 hat eine "home"-Taste, sie soll dann auf die vorprogrammierte Höhe steigen, zum Startpunkt zurückfliegen und automatisch landen. Das hat eure Drohne auch, wenn es nicht gerade ein 19-Euro-Teil von Babi Lala ist oder so, probiert diese Funktion unbedingt aus. Aber Achtung - sie hat eine vorprogrammierte Höhe und kann nicht nach oben "gucken", d.h. wenn sie gerade unter Bäumen unterwegs ist, wird sie in die Äste oben crashen. Mit Glück fällt sie runter, mit Pech hängt sie oben fest. (Siehe oben, meine DJI Mini 3 hat das einmal erlebt)
Putzt alles trocken, was doch mal feucht wurde. Lasst die Drohne offen einen Abend im Zimmer stehen, wenn es beim Flug mal doch feucht wurde. Niemals einfach verpacken und wegstellen.
Aktualisiert die Software regelmäßig. Verbindet die Drohne auch mit dem Smartphone, und probiert aus, wie man die Bilder dort runterlädt. Der Prozeß ist manchmal nicht so super intuitiv gestaltet.
Dreht nach dem Abheben und in der Luft die Drohne mal zum Startpunkt, und merkt euch, wie die Gegend von oben aussieht. Wenn ihr das kleine Fluggerät einmal nicht mehr sehen könnt und nur nach dem Display auf der Fernbedienung unterwegs seid (was ihr strenggenommen ja nicht dürft), so hilft euch das übertragene Bild, den Weg zurück zu finden.
Wenn ihr auf eurem Display eine Art "Radarschirm" habt, macht euch mit der Funktion vertraut. Das ist nützlich, wenn ihr mal die Orientierung verliert, oder wenn sie gecrasht ist und noch ein Signal sendet - dann hat man die Chance, sie zu finden.
Vermeidet Situationen, in denen das Funksignal verloren gehen kann. Wenn das Bild auf dem Display "einfriert", ist es vielleicht schon passiert. Eine gute Drohne wird das merken und zurückkommen.
Wenn ihr fliegen wollt und dort nicht dürft, könnt ihr versuchen, eine Genehmigung zu bekommen. Nett fragen kostet nichts. Wenn es nicht kommerziell ist, stellen sich viele Berechtigte auch gar nicht mal so an. Sinnlos ist das bei großen Industrieanlagen, der Deutschen Bahn, Militäreinrichtungen. An kleinen Flugplätzen kann man die Flugsicherung fragen. Habe ich schon mal gemacht (Schäferhaus bei Flensburg) und auch Starterlaubnis bekommen!
Nach dem Flug ist vor dem Flug! Ich empfehle euch sehr, den Speicherchip nach dem Flug komplett auf ein anderes Speichermedium zu ziehen, z.B. eine externe Festplatte, und zwar das Originalmaterial.
Im Ausland fliegen
Andere Länder haben auch ihre Vorschriften, obwohl sehr viel schon durch die EU geregelt wurde.
Die französische Karte (https://www.geoportail.gouv.fr/donnees/restrictions-uas-categorie-ouverte-et-aeromodelisme) zeigt uns rot, orange, gelb und "gar nichts". Bei "rot" ist absolut nein, bei den anderen Farben ist die Flughöre eingeschränkt, bei "gar nichts" kann geflogen werden. In Frankreich gilt offenbar über bewohntem Gebiet (Dorf, Stadt) stets Flugverbot. Geoportal Frankreich
In Schweden sieht das Portal wieder anders aus, und die Vorschriften muss man zum Teil in Textform lesen (sind auch in Englisch verfügbar). Aber die Flugverbote sind auf der Karte schon mal vorhanden: Schwedische Drohnenkarte
Wichtig - in Naturschutzgebieten Schwedens dürft ihr nicht fliegen, das ist eine ganz schön große Fläche Schwedens, und diese Infos müsst ihr euch auch extra besorgen, die ist in diese Karte nicht eingearbeitet!
Fazit damit - Karte schön und nützlich, ums Lesen kommt man trotzdem nicht rum. Es gibt Portale, die euch zuverlässig über die Vorschriften informieren, nutzt sie.